Altarbild

Altarbild

Altarbild in der St. Johannis-Kirche in Schweinfurt

 

Interpretation des Gemäldes „Auferstehung“ von Adolf Kleemann

Das Bild ist eine sehr kraftvolle Malerei, die der Kirche einen farbigen Akzent gibt. Es reibt sich zweifellos mit dem eleganten, frühklassizistischen Altar des Materno Bossi (1739 – 1802). Trotzdem trifft der Gedanke, in die grandiose Portalkomposition ein Auferstehungsbild zu setzen, mitten ins Herz des christlichen Glaubens.

Kleemann malt aber Christus nicht als lächelnden Sieger, sondern als Objekt der Allmacht Gottes, die als gelbe Lichtbahn von hinten und oben rechts her einbricht. Die farbsprühenden, versetzten Gloriolen vor der Weltraumschwärze sind Zeichen der Einmaligkeit des Vorgangs. Zwei Drittel der Bildfläche  werden von der Darstellung der Auferstehung des empor gerissenen Christus eingenommen.

Darunter breitet sich die irdische Welt, überzeitlich dargestellt in symbolischen Figuren, die an mittelalterliche Mysterienspiele erinnern. Die Überzeitlichkeit wird auch angedeutet, einerseits durch die modernen Wohnblocks auf der linken Seite und andererseits durch die Treppengiebel der Mittelalters rechts.

Adam und Eva stehen links als Sinnbild des Menschen vor dem Baum der Erkenntnis, der ihre Verstrickung in Schuld symbolisiert. Eva hält sinnend noch den verlockenden Apfel unangebissen in der Hand,  Zeichen dafür, dass der Mensch ja Entscheidungsfreiheit hat, ob er Gottes Gebote übertreten will oder nicht. An Adams Weg jedoch sitzt bereits der Tod, der ihn ins Grab befiehlt. Verführung, Schuld und Tod stehen stellvertretend für das Leid des Menschen auf dieser Welt.

Auffallend ist in der Mitte die Frau im gelben Kleid der Eitelkeit, mit langer Zigarettenspitze steht sie da in herausfordernder Haltung, heraus getreten aus einer Schwärze, die der Schwärze des Grabes Jesu Christi gleicht. Sie ist Symbol für die Oberflächlichkeit, für die Nichtigkeiten der Welt, der die Menschen so oft verfallen. Aber sie nimmt keine Notiz vom Leid des Menschen: Ostentativ wendet sie sich vom weinenden Adam ab.

So werden die irdischen Befindlichkeiten des Menschen umrissen in einer Welt, über der die guten Gebote Gottes stehen, die gelingendes Leben spenden könnten, und an denen der Mensch gemessen wird. Denn Kleemann malt unübersehbar rechts das Gleichnis vom Feigenbaum (Luk. 13):

Der gestrenge Herr des Gartens zeigt auf den dürren Baum, der drei Jahre lang keine Frucht getragen hat und will, dass er ausgerissen wird. Und der Gärtner, um dessen Haupt das Licht des Auferstandenen leuchtet, bittet: „Lasse ihn noch ein Jahr, bis dass ich um ihn grabe und ihn bedünge, ob er wolle Frucht bringen.“ Er bittet also um eine Gnadenfrist, die nicht unendlich ist. Denn er schließt mit den Worten: „Wo nicht, so haue ihn darnach ab.“

So ist im unteren Teil der Inhalt des Altarbildes ernst; es ist ein Ruf zur Umkehr, ein Ruf, die Gebote Gottes zu befolgen, ein Hinweis auf das Gericht. Doch darüber steht machtvoll die Unbegreiflichkeit der Gnaden-Tat Gottes: die Auferstehung Jesu Christi, der die Schuld des Menschen am Kreuz auf sich genommen hat.

Der Stifter

Das jetzige Altarbild von St. Johannis ist eine Stiftung des Schweinfurter Großindustriellen Dr.-Ing. E. h. Georg Schäfer (1896 – 1975), die er an seinem 60. Geburtstag der Kirchengemeinde St. Johannis, deren Kirchenvorstand er angehörte, versprochen hat. Die Wahl des Malers  und die damit zusammenhängenden Verhandlungen überließ er der Kirchengemeinde, aber die Dekane Otto Ammler (Dekan 1950 – 1957)  und Hans Luther (Dekan 1957 bis 1969) haben über alle ihre Bemühungen und Gespräche dem Stifter stets in vielen Briefen getreulich berichtet. Die Wahl fiel schließlich auf den in Südbayern und der Landeskirche wohl renommierten Maler Adolf Kleemann, dessen Bilder ansonsten in Mainfranken nicht vertreten sind.

Der Maler

Adolf Kleemann (1904 – 1989) wurde  in der Oberpfalz, in Waldsassen, geboren, ist aber bei Braunschweig aufgewachsen und hat später in München studiert. Dort war er Schüler von Franz Klemmer und zuletzt von Olaf Gulbransson. Als Gegner des Nationalsozialismus wurde er 1940 von der Gestapo verhaftet und sodann „zur Bewährung“ an die Ostfront geschickt. 1947 kam er nach zwei Jahren russischer Kriegsgefangenschaft  nach    Bayern   zurück.  Sein Christsein und sein Glaube hatten in den Kriegsjahren an  Intensität   zugenommen, aber er war sich irgendwie bewusst, dass er nach diesen Erlebnissen nicht so weiter malen könne wie bisher. So begann seit 1947 bis etwa 1967 für ihn eine Zeit des Suchens. Werke von Mondrian, Kandinsky und vor allem Paul Klee wurden ihm wichtig. Er war stets freischaffender Künstler mit Ausnahme einer Lehrtätigkeit an der Volkshochschule Starnberg-Gauting-Tutzing. In seinen letzten Lebensjahrzehnten hat er nur noch abstrakt gemalt. Das Altarbild von St. Johannis ist eines der letzten Bilder in gegenständlicher Malweise. Es entstand wegen seiner Größe in einem nicht mehr benötigten Eisenbahnschuppen in München in etwas mehr als zwei Jahren. Am Reformationstag des Jahres 1959 bot es sich erstmals den Blicken der Johannisgemeinde dar.

Das Altarbild von St. Johannis hat stets Diskussionen ausgelöst, wobei sich viele Betrachter von dem dichten Nebeneinander von dieser Malerei zum umgebenden Altar irritiert fühlen. Andererseits liegt in dieser Diskrepanz auch der Zwang, sich mit dem Bild zu beschäftigen, und dabei wird man doch mehr und mehr von der ernsten und dichten Aussage gefangen genommen. Das Bild prägt sich ein und darüber können wir uns nur freuen.
                                                                                         

Wiltrud Wößner