Taufkapelle

Taufkapelle

Die Taufkapelle in der St. Johannis-Kirche in Schweinfurt

Taufkapelle

Da die Mauern der Taufkapelle nicht in das Mauerwerk des Querhauses einbinden, muss man annehmen, dass die Kapelle erst gegen Ende der Erstbauperiode um die Mitte des 14. Jahrhunderts hinzu gekommen ist. Möglicherweise war die ganze Kapelle eine Stiftung der Schweinfurter Ratsfamilie Rucker, weil deren Wappen – ein steigender Löwe mit einem von langen Haaren umwehten Frauenkopf – den Schlussstein des Gewölbes schmückt. Die Taufkapelle ist ein zierlicher gotischer Bau. Ihr Grundriss besteht aus fünf Achteln eines Achtecks und entsprechend wird sie von einem Fünf-Achtel-Kappengewölbe überspannt. Sie hat drei schlanke Spitzbogenfenster; in der Ostseite befindet sich eine Nische, in der in vorreformatorischer Zeit ein Altar des Evangelisten Johannes gestanden hat. Nach Norden zu öffnet sie sich zum Langhaus der Kirche in einem hohen, gekehlten Rundbogen, der in schöner grau-roter Renaissanceornamentik bemalt ist. Nach Westen kam beim Barockumbau der Kirche 1739 ein querovales Fenster hinzu. Aus derselben Zeit mag auch der Handtuchhalter mit dem Engelsköpflein herrühren.

Das zarte Fresko in der Nische stellt oben die fünf Hallen am Bethesda-Teich in Jerusalem dar. Nach dem Johannes-Evangelium (5. Kapitel) begann der Teich hin und wieder zu sprudeln; in den Hallen lagerten Kranke, Blinde und Lahme, die dann immer versuchten in dem sprudelnden Wasser Heilung zu erhalten. Man glaubte, dass die Bewegung des Wassers von einem Engel Gottes hervorgerufen würde. Der unbekannte Maler malte einen Arm, der mit einem großen Löffel den Teich aufrührt und er stellt einen einzigen Mann auf Krücken dar, der in der Geschichte der Gesprächspartner Jesu ist.
Im unteren Oval wird die Taufe des „Kämmerers aus dem Mohrenland“ durch den Apostel Philippus dargestellt, wie sie in der Apostelgeschichte im 8. Kapitel erzählt wird. Philippus hatte dem fremden Minister die Schrift des Jesaja, in der dieser gerade las, erklärt und ihm das Evangelium von Jesus gepredigt. Daraufhin ließ sich der Minister kurzentschlossen an einem Wasser, das am Wege lag, taufen.
Beide Bilder haben mit dem „Wasser des Lebens“ zu tun, das in der Taufe ein Symbol für Heilung und Geborgenheit bei Gott ist.

Über den Maler des Freskos gibt es keine Nachrichten. Wegen der Renaissance-Umrahmung scheint die Malerei zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstanden zu sein.

Der Taufstein

Der Taufstein

Der Taufstein ist das älteste Einrichtungsstück der Kirche. Die umlaufende lateinische Schrift in schönen, gotischen Majuskeln lautet in Übersetzung : Im Jahre des Herrn 1367, an den Kalenden des August, wurde dieser Taufstein gemacht von Conrad Nuzzer und Friedrich Rucker.“ Das „FACTUM EST“ heißt zwar wörtlich „gemacht“, aber gemeint ist hier wohl eher „gestiftet“. Der Taufstein besteht aus einem großen Sandsteinblock in kräftiger Dimensionierung: Die halbkugelförmige Vertiefung hat 91 cm Durchmesser und ist 46 cm tief. Außen hat der Stein die Form eines regelmäßigen Achtecks. Diese geometrische Grundform begegnet uns vielfach in der Kirche. Die Zahl „acht“ wurde in der christlichen Zahlensymbolik oft identifiziert mit der Auferstehung Jesu, die man als Schöpfungstat Gottes an einem achten Schöpfungstag ansah.

Gotische Malereien am Taufstein

Die acht Felder des Taufsteins tragen interessante Malereien von 1367. Es sind die ältesten Malereien im Schweinfurter Raum. Lange Zeit waren sie unter einem grünen Ölfarbenanstrich verborgen und wurden erst 1911 wieder entdeckt. Sie haben durch Lichteinwirkung und Feuchtigkeit im 20. Jahrhundert sehr gelitten. Es ist geplant, sie zu restaurieren, sowie die finanziellen Mittel es gestatten.
Das Feld im Osten und das Feld im Westen haben mit Johannes dem Täufer zu tun. Im Osten sehen wir die sehr seltene Darstellung der Geburt Johannes des Täufers: Elisabeth liegt in Wehen und wird von Maria besucht, die mit verhüllten Händen ein Reis in der Hand hält; im Hintergrund dienende Frauen. Im Westen die Szene vor der Taufe Jesu, als sich Johannes (rechts außen dargestellt) sträubt, Jesus zu taufen, und Jesus in der Mitte des Bildes ihn an der Hand heran zieht. Links hält ein Engel das weiße Taufkleid bereit.
Die anderen sechs Felder zeigen zu je zweien 12 Apostel. Im Südwesten Jakobus der Ältere und Johannes der Evangelist. Im Süden Andreas und Simon Zelotes. Im Südosten Matthäus und Thomas. Im Nordosten Jakobus der Jüngere und Judas Thaddäus. Im Norden Philippus und Bartholomäus. Im Nordwesten Petrus und Paulus.

Der Taufsteindeckel

ist wie die Freskomalerei in der Nische eine Zutat der Renaissance. Man vermutet seine Entstehung im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts. Er ist beweglich und kann über einen Rollenzug mit Gegengewicht im Dachboden abgesenkt werden. Seine

Unterseite ist mit zwei Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers bemalt: Die Taufe Jesu und sodann noch das Gespräch des Johannes mit Priestern und Leviten, in dem er sich selbst als die Stimme eines Predigers in der Wüste bezeichnet und auffordert: „Richtet den Weg des Herrn!“
(Joh. 1, 19-28)
Der Deckel ist aus Holz in der Form einer flachen Glocke mit aufgesetzter Laterne gefertigt. Die acht Felder des Deckels sind in Grisaille-Malerei  gestaltet. Ganz oben befindet sich umlaufend, schwarz auf weiß geschrieben, der Text des Glaubensbekenntnisses sowie pro Feld die Namen der darunter dargestellten Apostel. Dem Verlauf des Textes entsprechend sind zusammen dargestellt: Petrus und Andreas,
Jacobus der Ältere und Johannes, Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, Jacobus der Jüngere und Simon, Judas Thaddäus und Mathias. Im siebten Bild sieht man mit dem entsprechenden Text aus Josua, 3. Kapitel den Zug des Volkes Israel trockenen Fußes durch den sich teilenden Jordan und schließlich im achten Bild die Szene, als Jesus zu seinen Jüngern sagt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen, und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes.“ (Mark. 10.Kap.) Dieses Bild nimmt direkten Bezug auf die Kindertaufe und  zitiert das Evangelium, das Martin Luther 1526 in seinem Taufbüchlein als Taufevangelium bestimmt hat.
Wer der Maler der Bilder des Taufsteindeckels gewesen ist, ist bisher nicht bekannt. Nach der etwas naiven und anatomisch verzeichneten Malweise  wird ein heimischer Malermeister vermutet, der sich zusätzlich ein wenig in künstlerischer Malerei versuchte.

Wiltrud Wößner

Freskomalerei: Taufe des Kämmerers

Freskomalerei an der Ostwand der Taufkapelle