Konfessionsbild

Was sind „Konfessionsbilder"?
Im Sommer 1530 berief Kaiser Karl V. einen Reichstag nach Augsburg ein, um zu versuchen, die unterschiedlichen Glaubensauffassungen von Katholiken und Protestanten auszugleichen. Dazu wurde von evangelischer Seite unter Leitung des gelehrten Luther-Mitarbeiters Philipp Melanchthon von einem Team von Theologen, Juristen und politischen Beratern die später so genannte „Augsburger Konfession" (Confessio Augustana) erarbeitet, ein Schriftstück, das bis heute zu den grundlegenden Bekenntnisschriften der evangelischen Kirche lutherischer Prägung gehört.
Die „Konfessionsbilder", von denen in Süddeutschland etwas mehr als zehn erhalten sind, stellen alle in einer Hauptszene die denkwürdige Überreichung der „Augsburger Konfession" an Kaiser Karl V. durch protestantische Reichsfürsten und Städtevertreter dar.


Das Schweinfurter Konfessionsbild
ist weder signiert noch datiert. Es gibt auch keinen Hinweis auf einen Stifter. Wir wissen auch nicht, seit wann das Bild in der Johanniskirche hängt. Einschlägige Fachliteratur gibt als Entstehungszeit „vermutlich das letzte Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts" an. Falls das stimmt, müsste das Schweinfurter Bild das älteste existierende Konfessionsbild sein.
Auf dem Gemälde ist ungefähr mittig in großen Figuren die Szene der Überreichung dargestellt. Darum herum gruppieren sich Nebenszenen, die in einen Kirchenraum eingefügt sind. Dort werden Amtshandlungen und Bestandteile des lutherischen Gottesdienstes bildlich gestaltet. Insgesamt sind auf dem Gemälde knapp 500 Personen zu sehen, und es werden in Goldschrift rund 30 Bibelstellen zitiert.

Konfessionsbild

Bildbeschreibung
Hauptszene: Im Hintergrund sitzt Kaiser Karl V. im Prunkharnisch hinter einer Balustrade auf dem Thron. Beim Gesicht des Kaisers wurde Porträtähnlichkeit angestrebt. Das Gemälde zeigt zwar nicht den 1530 erst 30jährigen Monarchen, sondern es orientiert sich an einem berühmten Tizianporträt von 1548. Das Dekor des Thrones ist sehr sorgfältig mit allen heraldischen Attributen, Emblemen, etc. ausgestattet.
Die vor Karl knienden Personen sind durch ihre beigefügten Wappen und Namen identifizierbar. Zu sehen sind von links her: Wolfgang, Fürst zu Anhalt; Philipp, Landgraf zu Hessen; Georg, Markgraf zu Brandenburg (Ansbach); Johann, Kurfürst und Herzog von Sachsen; die beiden Herzöge von Lüneburg Ernst und Franciscus. Rechts im Hintergrund, die beiden schwarz gekleideten Herren, sind die Vertreter der Städte Nürnberg und Reutlingen.

Linke Bidlseite: Wir sehen im Hintergrund an einem Altar den Vollzug einer Trauung. Links daneben gehen Menschen im Querhaus zur Beichte. Im Mittelgrund ist Katechismusunterricht dargestellt, offenbar findet im Beisein der Gemeinde eine Art Prüfung statt. Denn neben dem Geistlichen im Chorhemd steht die Frage: „Wess Glaubens seid ihr? Warum seid ihr Christen?" Die fünf Personen in erhöhtem Gestühl antworten laut beigegebenem Text: „Wir sind Christen darum, dass wir an Jesum Christum glauben und in seinem Namen getauft sind." Während sich die Frauengruppe dieser Szene zuwendet, blicken die Männer im Vordergrund gespannt zu der Reichstagsszene hinauf.

Rechte Bildseite: Der Hintergrund ist der Kirchenmusik gewidmet; wir sehen eine kleine Orgel und einen Kirchenchor. Der Dirigent steht inmitten seiner Sänger und dirigiert mit einem weißen Notenblatt. Rechts ist die Predigt dargestellt, im Mittelgrund eine Taufe. Besonders ausführlich mit sehr viel Text und symbolischen Hinweisen malte der Künstler vorne rechts das Abendmahl, das natürlich in beiderlei Gestalt gegeben wird.
Das Schweinfurter Konfessionsbild ist aggressiv lutherisch. Alles, was nicht lutherisch ist, wird „verdammt". Tolerantes Denken war der damaligen Zeit fremd. So ist unter dem Altar ein Bocksfuß und ein Gerippe zu sehen. Darum herum lesen wir, strahlig angeordnet, die Namen derer, die nach Auffassung der lutherischen Orthodoxie dem Tode verfallen sind. Es sind dies: D. Carlstadt, Zwingli, Schwenckfeld, Campanus, Oeco-lampadius, Calvinus, Theodor de Beze, Müntzer, Wiedertäufer, „Papst Erzketzer Und ihr Vetter der Teufel." Also auch alle anderen Reformatoren, Disputanten im Abendmahlsstreit, die andere Meinungen vertraten, fallen mit den Wiedertäufern, den „Schwarmgeistern" und dem Papst zusammen unter das lutherische Verdikt. Man war inzwischen weit von der Versöhnungsbereitschaft der „Augsburger Konfession" entfernt.

Wiltrud Wößner